5. Oktober 2026

Warum gerate ich immer an die falschen Männer? Kein Pech, ein Muster

Du hast dir nach der letzten Trennung geschworen: nie wieder so einer. Der Nächste ist tatsächlich ganz anders. Anderer Beruf, anderer Humor, andere Hobbys. Und nach ein paar Monaten sitzt du wieder da, starrst aufs Handy und wartest auf ein Zeichen von ihm.

Seit 2011 begleite ich Menschen auf ihrem Beziehungsweg, über 800 waren es bisher. Kaum ein Satz fällt dabei so oft wie dieser: „Ich gerate immer wieder an denselben Typ.“ Spannend ist, dass dieser „Typ“ von außen betrachtet oft gar nicht derselbe ist.

Was sich wiederholt, ist nicht der Mann. Es ist das Gefühl. Das Hin und Her, die Unsicherheit, die Enttäuschung, die Verletzung, die dir schon so bekannt vorkommt. Die Kulisse wechselt, das Drehbuch bleibt.

Darum hilft es so wenig, beim nächsten Mal einfach „besser auszuwählen“. Solange du auf Äußerlichkeiten achtest, auf Beruf, Auftreten oder Lebensstil, übersiehst du den eigentlichen Auslöser. Der sitzt nämlich nicht bei ihm, sondern in dem, was in dir anspringt, wenn er in dein Leben tritt.

Die gute Nachricht: Ein Muster ist kein Schicksal. Was gelernt wurde, lässt sich auch wieder verändern. Mehr dazu, wie solche Kreisläufe grundsätzlich entstehen, liest du in meinem Artikel über Beziehungsmuster, die du erkennen und durchbrechen kannst.

Warum gerate ich immer an die falschen Männer? Vertrautes fühlt sich wie Anziehung an

Du verliebst dich nicht in das, was dir guttut. Du verliebst dich in das, was du kennst. Dein Nervensystem meldet „Oh, das kenne ich“, und du hältst dieses Wiedererkennen für Anziehung.

Das Kribbeln, das Warten, das Hoffen auf seine Nachricht fühlen sich dann nach großer Liebe an. Nach Leidenschaft. In Wahrheit ist es meistens ein altes Gefühl, das wieder hochkommt.

Ich kenne das aus erster Hand. In Venedig habe ich einer Frau zum ersten Mal gesagt, dass ich sie liebe. Ihre Antwort: „Woher willst du das wissen?“ Unter uns, das ist keine gute Antwort auf „Ich liebe dich“.

Intuitiv habe ich gesagt: „Weil das Gefühl, das ich gerade habe, gleichzeitig das schlimmste und das schönste Gefühl ist.“ Damals fand ich das unglaublich romantisch. Heute finde ich es erschreckend. Da war Angst drin, ein Hauch Panik und vor allem eine Menge emotionale Abhängigkeit.

Genau diese Mischung habe ich für Liebe gehalten. Intensität ist aber nicht Liebe.

Und dann gibt es die anderen. Die Partner, die sich verlässlich anfühlen und deshalb irgendwie langweilig wirken. Genau solche Menschen habe ich früher selbst abgelehnt, weil ich diese Blockade hatte. Kommt dir das bekannt vor? Der nette Mann, der zurückschreibt, pünktlich ist und sagt, was er meint, und du spürst einfach nichts?

Das liegt nicht an ihm. Ruhe fühlt sich für ein Nervensystem, das an Unsicherheit gewöhnt ist, schlicht fremd an. Fremd wird dann schnell mit „passt nicht“ verwechselt.

Gutes Elternhaus und trotzdem ein Muster? So entsteht Prägung

Vielleicht denkst du jetzt: „Bei mir war doch alles in Ordnung.“ Genau das dachte ich auch.

Meine Eltern sind beide Lehrer. Ich komme aus einem guten Elternhaus, da gab es keine Gewalt, und ich habe Aufmerksamkeit bekommen. Trotzdem war ich in meinen früheren Beziehungen immer wieder emotional abhängig. Das hat mir nicht gutgetan und meinen damaligen Partnerinnen übrigens auch nicht.

Lange habe ich nicht geglaubt, dass das etwas mit meiner Prägung zu tun hat. Mir ging es als Kind ja gut. Heute weiß ich: Du musst als Kind nichts offensichtlich Schlimmes erlebt haben, damit etwas hängen bleibt.

Es reicht, was du dir abgeschaut hast. Wie Nähe bei euch zu Hause aussah. Wie Liebe gezeigt oder zurückgehalten wurde. Ob Zuneigung an Leistung geknüpft war. Muster erbt man vor allem durchs Zuschauen.

Kinder können sich nicht aussuchen, was sie übernehmen und was nicht. Sie nehmen einfach alles auf. Und was sie aufnehmen, geben sie später weiter, oft über Generationen.

Darum ist mir eines wichtig: Du hast dir diese Muster nicht ausgesucht. Du bist nicht schuld daran. Verantwortung übernehmen kannst du trotzdem, und zwar dafür, dass sie bei dir aufhören. Wie stark frühe Erfahrungen deine heutigen Beziehungen steuern, beschreibe ich ausführlicher im Artikel Wenn dein inneres Kind Beziehungen führt.

„Kann er sich ändern?“ ist die falsche Frage

Hier ein Gedanke, der dir sofort Kraft zurückgibt: Hör auf zu fragen, ob er sich ändert.

Im Netz findest du unzählige Fragen wie „Können sich Narzissten ändern?“ oder „Wird ein Vermeider irgendwann doch noch nah?“. Die Frage dahinter klingt logisch. Sie führt dich trotzdem in die Sackgasse.

Solange du darauf wartest, dass sich ein anderer Mensch ändert, legst du dein Glück in seine Hände. Je nach Persönlichkeit hat diese Person oft gar kein großes Interesse daran, sich zu verändern. Und selbst wenn das Interesse da wäre, fehlt häufig die Fähigkeit.

Die richtige Frage lautet: Kannst du dein Muster verändern, das dich zu solchen Menschen hinzieht? Anders gesagt: Wie bekommst du dein Nervensystem dazu, Unsicherheit nicht mehr als Anziehung zu verbuchen?

Diese Frage liegt komplett in deiner Hand. Du brauchst dafür niemandes Erlaubnis und niemandes Einsicht. Probier es heute aus: Ersetze jedes „Wird er sich ändern?“ in deinem Kopf durch „Was in mir reagiert gerade so stark auf ihn?“. Allein dieser Wechsel verschiebt den Blick von ihm zurück auf dich.

Verlustangst ist das Symptom, nicht die Ursache

Viele Frauen, mit denen ich spreche, kennen ihr Muster längst. Sie können es lang und breit erklären. Und wählen trotzdem wieder denselben Typ. Wie kann das sein?

Oft fällt dann der Satz: „Ich habe halt Verlustangst.“ Unsere Erfahrung zeigt etwas anderes. Verlustangst ist so gut wie nie die tiefere Ursache. Sie ist das, was du spürst, also eher ein Symptom.

Darunter liegen tiefere Muster, die dieses Gefühl erst aktivieren. Das kann ein Minderwertigkeitsgefühl sein, also die Überzeugung, nicht gut genug zu sein. Oder der Glaube, dass du dich aufopfern musst, um Liebe zu verdienen. Oder etwas ganz anderes.

Welcher Aspekt es bei dir ist, macht einen riesigen Unterschied. Arbeitest du am falschen, bringt es nichts. Ich habe eine Hautkrankheit und mir mal für 432 Franken Cremes gekauft. Ein paar Wochen sah es besser aus, nachhaltig war es nicht, weil die Cremes nur an der Oberfläche gewirkt haben.

Mit Verlustangst ist es genauso. Sie nur zu verstehen, reicht nicht, weil deine Muster nicht im Kopf sitzen. Dein Kopf würde niemals sagen: „Verlassen zu werden ist schlimmer als Sterben.“ Dein System reagiert aber genau so.

Deshalb führt der Weg über die unbewusste Ebene und nicht nur über die Verstehensebene. Warum Wissen allein dich nicht aus alten Mustern holt, erkläre ich im Artikel Identität verändern: Warum du trotz Wissen in alte Muster fällst.

Beziehungsmuster durchbrechen: Woran du merkst, dass es sich verändert

Du hast dir schon hundertmal vorgenommen, dich beim nächsten Mal zusammenzureißen? Und dann kam ein schwacher Moment, und alles war wieder beim Alten.

Das ist kein Charakterfehler. Disziplin ist wieder Kopf. Niemand hält ein Leben lang durch, sich gegen das eigene System zu stemmen. Spoiler: In schwachen Momenten fällst du zurück in den alten Zustand, solange das Neue nicht tiefer in dir verankert ist.

Kann man Beziehungsmuster durchbrechen? Ja. Die Veränderung beginnt allerdings nicht bei der Partnerwahl. Sie beginnt an der Stelle, an der sich Unsicherheit für dich wie Liebe anfühlt.

Verschiebt sich das, passiert etwas Erstaunliches. Der Falsche fühlt sich plötzlich nicht mehr aufregend und prickelnd an, sondern anstrengend. Der Richtige wirkt nicht mehr langweilig, sondern ruhig, sicher und verlässlich.

Ich bekomme regelmäßig Sprachnachrichten von Menschen, mit denen ich gearbeitet habe. Da steht nie drin: „Ich habe es geschafft, mich zusammenzureißen.“ Eine Klientin sagte stattdessen: „Mein ganzes Denken ist ein anderes geworden, meine Reaktionen, meine Kommunikation ist richtig zum Selbstläufer geworden.“

Genau darum geht es. Wenn das tiefere Muster sich verändert, musst du nicht mehr dagegen ankämpfen. Du reagierst einfach anders, und zwar dauerhaft. Dann wirst du zu einem dieser Menschen, deren Beziehungen mit der Zeit schöner und stabiler werden statt schmerzhafter.

Warum gerate ich immer an die falschen Männer? Häufige Fragen

Warum verliebe ich mich immer in die Falschen?
Weil dein Nervensystem Vertrautheit mit Anziehung verwechselt. Fühlt sich Unsicherheit aus früheren Erfahrungen bekannt an, erlebst du sie als Kribbeln und Leidenschaft. Ruhige, verlässliche Männer wirken dagegen fremd und dadurch langweilig.

Wie merke ich, dass ich den falschen Partner habe?
Achte weniger auf ihn und mehr auf deinen Zustand. Wartest du ständig auf Zeichen, fühlst du dich häufiger unsicher als geborgen und ist die Beziehung gleichzeitig das Schönste und das Schlimmste, ist das ein deutliches Warnsignal. Weitere Anzeichen findest du in meinem Artikel Warum wir falsche Partner finden.

Warum gerate ich immer an vergebene oder unerreichbare Männer?
Unerreichbarkeit hält genau die Spannung aufrecht, die dein System als Liebe kennt. Ein Mann, der nie ganz da ist, bestätigt das alte Gefühl, um Liebe kämpfen zu müssen. Das ist kein Zufall, sondern das gleiche Muster in anderer Form.

Liegt es an mir, dass ich immer die falschen Männer anziehe?
Schuld bist du nicht, denn die Muster hast du dir nicht ausgesucht. Du kannst sie aber verändern. Das ist die gute Nachricht hinter der unbequemen Antwort.

Kann ich mein Beziehungsmuster allein durchbrechen?
Verstehen kannst du es allein, und das ist ein wichtiger erster Schritt. Für eine dauerhafte Veränderung braucht es meistens Arbeit auf der unbewussten Ebene, weil das Muster nicht im Kopf sitzt. Begleitung hilft vor allem dabei, die richtige Ursache zu finden statt an Symptomen zu arbeiten.

Fazit

Wenn du dich fragst, warum du immer an die falschen Männer gerätst, lautet die ehrliche Antwort: Es ist kein Pech, es ist ein Muster. Dein Nervensystem hält Vertrautes für Anziehung und Intensität für Liebe. Die Frage, ob er sich ändert, bringt dich nicht weiter. Die Frage, ob du dein Muster veränderst, schon. Und sobald es sich verschiebt, fühlt sich der Falsche anstrengend an und der Richtige endlich sicher.

Wenn du beim Lesen gemerkt hast, dass du genau in diesem Kreislauf steckst, und nicht weißt, wo du anfangen sollst: Wir schauen uns gemeinsam an, welches Muster bei dir darunter liegt und wo der Hebel sitzt. Buch dir hier ein kostenloses Erstgespräch: Jetzt Termin buchen

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Endlich wirkliche Veränderung.

Dr. Jens Hermes
Über den Autor
Dr. Jens Hermes
Er begleitet seit 2011 Menschen dabei, eine Trennung zu verarbeiten und aus emotionaler Abhängigkeit herauszufinden. Über 800 Klientinnen und Klienten hat er in dieser Zeit persönlich betreut, und aus dieser Praxis stammt jedes Muster, das er hier beschreibt. Er ist Gründer des Dr. Hermes Instituts, Host des Dr. Hermes Podcasts und erreicht auf Instagram über 100.000 Menschen. Privat ist er verheiratet und Vater.
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Anja Rausche ist seit 2023 bei Dr. Hermes dabei. Sie hat die Ausbildung zum Beziehungs- und Transformationscoach absolviert und seither über 200 Klienten betreut. Ihre tiefe Empathie schöpft sie aus persönlichen Lebenserfahrungen, die sie selbst durch sehr schwierige Phasen geführt haben.

Gleichzeitig bringt Anja jahrzehntelange Erfahrung auf Weltklasseniveau im Tanzsport mit: Sie war Weltranglistengewinnerin, Finalistin bei Welt- und Europameisterschaften, betreut heute den Nationalkader und gehört zu den Top 5 international am höchsten lizensierten Trainerinnen und Ausbilderinnen.

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Seit 2013 ist Frederik als Trainer der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) aktiv. Er hat sich im systemischen Arbeiten nach Virginia Satir, motivierender Gesprächsführung und auch interkultureller Kommunikation weitergebildet.

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