15. Oktober 2026

Verhalten von Alkoholikern in Beziehungen: Warum „Ich tu alles für dich“ nicht reicht

Was passiert, wenn zum ersten Mal ein Mann beim anonymen Telefon anruft und sagt: „Ich will meine Ex zurück“? In Folge 4 unseres Podcast-Formats hören Jens Hermes und Frederik aus unserem Team die Sprachnachricht von Moritz. Den Namen vergeben die beiden zu Beginn der Folge, er schützt die Anonymität des Anrufers.

Moritz erzählt offen, dass er ein Suchtproblem entwickelt hat und immer wieder sehr viel Alkohol trinkt. Seine Partnerin hat ihn schon zweimal darauf angesprochen. Nach einem Abend, an dem er wieder stark getrunken hatte, hat sie sich getrennt. Seitdem sieht sie seine Nachrichten, antwortet aber nicht.

In den ersten Tagen hat er sie sehr oft angeschrieben und angerufen. Inzwischen hat er einen Gesprächstermin für eine Suchttherapie und ihr einen Screenshot davon geschickt. Sogar ihre Mutter hat er angerufen, mit dem Satz: „Ich will da alles für tun.“ Jetzt bittet er um den einen Tipp, mit dem er sie zurückbekommt.

Die Folge ist aus seiner Sicht erzählt. Dieser Artikel ist für dich, wenn du auf der anderen Seite stehst. Kennst du die Nachrichtenflut, die Anrufe bei deiner Familie, den Screenshot als Beweis? Dann lies weiter, denn Jens‘ Antwort richtet sich am Ende ausdrücklich an Frauen wie dich.

Verhalten von Alkoholikern in Beziehungen: die typischen Muster

Du hast eine Grenze gezogen, und plötzlich steht dein Handy nicht mehr still. Genau hier zeigt sich ein Muster, das viele Frauen kennen, deren Partner trinkt. Es hilft, dieses Muster klar zu sehen, statt es jedes Mal neu zu deuten.

  • Versprechen nach der Eskalation. Erst passiert etwas, dann kommt die große Reue. „Das passiert nie wieder.“ „Ich hör auf.“ „Ich tu alles für dich.“
  • Druck über viele Kanäle. Nachrichten, Anrufe, Sprachnachrichten im Minutentakt. Reagierst du nicht, werden Freundinnen oder Familie eingespannt. Bei Moritz war es die Mutter seiner Ex.
  • Schuld und Reue im Wechsel. Mal entschuldigt er sich unter Tränen, mal erklärt er, warum es gar nicht so schlimm war und woran die Umstände schuld sind.
  • Beweise, die keine sind. Ein Termin, ein Screenshot, ein langer Brief. Das sind Ankündigungen, keine Veränderung.
  • Trinken als Ventil. Stress, Streit, Überforderung mit Kindern oder Job landen nicht im Gespräch, sondern im Glas.

 

Das macht ihn nicht automatisch zu einem schlechten Menschen. Jens sagt es in der Folge sehr direkt: Du kannst ein netter Kerl sein und wirst trotzdem zu einer schwierigen Beziehungsperson, solange du das nicht in den Griff bekommst. Freundlichkeit im nüchternen Zustand und ein Suchtproblem schließen sich nicht aus.

Dieser Artikel stellt übrigens keine Diagnose. Ob dein Partner abhängig ist, klären eine Suchtberatung oder ein Arzt. Was du selbst beurteilen kannst, ist sein Verhalten und das, was es mit dir macht.

Sucht ist selten das eigentliche Problem

Klingt widersprüchlich, ist aber eine der wichtigsten Aussagen der Folge: Die meisten Menschen hängen nicht am Alkohol selbst, sondern an dem, was der Alkohol für sie erledigt. „Man ist selten abhängig von der Substanz, sondern meistens ist eine Sucht ein Kompensationsmittel“, sagt Jens. Ob Alkohol, Drogen oder Spielsucht, das Prinzip bleibt gleich.

Die entscheidende Frage lautet deshalb: Vor was läufst du weg? Vor Gefühlen, vor Gedanken, vor einem alten Schmerz, der in bestimmten Situationen hochkommt. Oft steckt ein Thema aus der Kindheit dahinter, das getriggert wird. Und jedes Mal, wenn das passiert, greift er zum Glas.

Das erklärt, warum reine Disziplin selten hält. Wer nur aus Willenskraft aufhört, ohne das Darunter anzuschauen, hat das Ventil weggenommen, den Druck aber nicht. „Wenn du einfach nur aus purer Disziplin aufhörst, verspreche ich dir, das wird nicht halten“, sagt Jens. Irgendwann kommt ein Rückschlag, irgendwo steht ein Bier, und das alte Muster ist zurück.

Veränderung beginnt dort, wo jemand lernt, unangenehme Gefühle auszuhalten, statt sie wegzutrinken. Jens nennt das den Moment, in dem Schmerz da ist und man ihn halten kann. Wie das grundsätzlich funktioniert, zeigt unser Artikel darüber, wie du Gefühle fühlen lernst, statt sie wegzudrücken. Für dich heißt das: Ein trockener Monat sagt noch wenig, entscheidend ist, ob er an die Ursache herangeht.

„Ich würde alles tun“: Warum Worte nichts beweisen

Was ist ein Versprechen wert, das in der größten Verzweiflung gegeben wird? Jens beantwortet das klar. Hätte Moritz‘ Ex ihn gefragt, ob sie ihm noch eine Chance geben soll, wäre seine Antwort gewesen: „Tu es nicht.“

Auch der Termin bei der Suchttherapie ändert daran erst einmal nichts. „Termin holen und Sachen wirklich durchziehen sind zwei komplett andere Schuhe“, sagt Jens. Dahinter steckt kein Pessimismus, sondern Erfahrung aus vielen Jahren Arbeit mit Frauen in und nach belastenden Beziehungen. Immer wieder haben Männer dort gesagt: „Ich werde alles für dich tun.“ Die Frauen haben eine Chance gegeben, und dann waren es doch nur leere Worte.

Frederik setzt an einem anderen Punkt an. Ihn macht schon der Satz hellhörig, jemand wolle alles tun, um die Beziehung zurückzubekommen. Sein Gegenvorschlag an Moritz: „Sag dir erstmal, ich würde alles dafür tun, dass ich da rauskomme aus dieser Sucht.“ Der Unterschied ist groß, denn das eine zielt auf dich, das andere auf ihn selbst.

Achte also darauf, worum sich seine Versprechen drehen. Geht es vor allem darum, dich zurückzuholen? Oder spricht er von seiner Sucht, seinen Themen, seiner Verantwortung, auch dann, wenn du gar nicht zuhörst?

„Alles tun“ heißt in Jens‘ Worten auch, bereit zu sein, die tieferen Themen anzuschauen. Dazu gehört, irgendwo hinzugehen, „wo wirklich was passiert“. Nur 45 Minuten zu erzählen, ohne dass sich danach etwas ändert, ist keine tiefe Arbeit. Viele Männer sagen den Satz, wenige gehen diesen Weg.

Woran du echte Veränderung erkennst

Diese Prüfsteine kannst du ab heute anlegen. Jens‘ Rat an alle, die auf der anderen Seite stehen: „Achte nicht auf die Worte, achte auf die Taten.“

  • Er respektiert dein Nein. Wenn du keinen Kontakt willst, hört das Bombardement auf. Keine Anrufe bei deiner Mutter, keine Briefe, keine Umwege über Freundinnen. Genau das rät Jens auch Moritz: nicht mehr kontaktieren und zeigen, dass er ihre Grenzen respektiert.
  • Er macht die Arbeit für sich. Frederik betont, Moritz soll den Weg weitergehen, auch wenn seine Ex irgendwann sagt, dass es nichts mehr wird. Wer nur so lange an sich arbeitet, wie die Chance auf dich besteht, arbeitet für ein Ziel und nicht an sich.
  • Er bleibt dran, wenn es unbequem wird. Therapie oder eine Begleitung, in der wirklich etwas passiert, über Monate. Nicht drei Termine und dann „läuft doch“.
  • Er zeigt neues Verhalten in schwierigen Momenten. Streit, Stress, Enttäuschung. Genau dort zeigt sich, ob er anders reagiert als früher.
  • Er verzichtet auf Tricks. Keine Manipulation, kein schlechtes Gewissen, keine Geschichten, die dich weichkochen sollen.

 

Der wichtigste Prüfstein ist die Zeit. „Genug Leute können die neuen Taten für zwei, drei, vier Wochen durchziehen, und dann kommen doch wieder alte Muster zurück“, sagt Jens. Schau deshalb auf sein Verhalten über Wochen und Monate, nicht über Tage.

Jens geht sogar noch weiter: Vertraut eine Frau ihm nach zwei bis vier Wochen schon wieder, fragt er sich, ob sie eigene Themen hat, die sie zu schnell vertrauen lassen. Wie Vertrauen Stück für Stück wieder wächst, liest du in unserem Artikel Vertrauen wieder aufbauen in Beziehungen.

Ein Wort zu Ex-zurück-Programmen: Jens hatte schon viele Klienten, die dort gelernt haben, wie man die Ex-Partnerin zurückholt. Gelernt haben sie teilweise Lügen und Manipulation. Klingen seine Nachrichten plötzlich wie aus einem Ratgeber, ist das kein Zeichen von Veränderung, sondern eine Methode.

Zweite Chance? Wenn, dann langsam

Der schwerste Moment kommt oft erst, wenn er tatsächlich etwas verändert hat und du überlegst, es noch einmal zu versuchen. Die Versuchung ist groß, dort weiterzumachen, wo ihr aufgehört habt. Gemeinsame Wohnung, gemeinsamer Alltag, alles wie vorher.

Genau davon rät Jens ab: „Bitte, bitte nicht, weil unserer Erfahrung nach funktioniert das nie.“ Wer weitermacht wie bei aufgewärmtem Gulasch, hat die alten Erfahrungen ständig vor Augen. Besser ist es, sich fast wie neu kennenzulernen. Ihr kennt euch zwar, startet aber von null, und genau das gibt dem Alten die Chance, zu verblassen.

Ein zweiter Punkt ist Jens wichtig: Er muss es für sich tun und für seine Kinder, nicht für dich. Kinder sehen, wie ein Vater mit Alkohol umgeht, und lernen daraus, wie Männer sind. Hängt seine Motivation allein an dir, bricht sie weg, sobald es zwischen euch hakt. Bevor du Ja sagst, helfen dir die fünf Fragen, die du dir stellst, bevor du deinen Ex zurücknimmst.

Co-Abhängigkeit: Du bist nicht für seine Heilung zuständig

Viele Frauen rutschen in einer Beziehung mit einem Alkoholiker in eine co-abhängige Rolle. Sie kontrollieren, entschuldigen, decken ihn und richten ihr Leben nach seinem Trinken aus. Von außen wirkt das wie Liebe, von innen fühlt es sich an wie Daueralarm. Eine co-abhängige Beziehung hat ihre Wurzeln oft in emotionaler Abhängigkeit vom Partner, und genau da lohnt sich dein Blick.

Seine Suchtarbeit kannst du ihm nicht abnehmen. Deine eigene Arbeit gehört dir.

Häufige Fragen zum Verhalten von Alkoholikern in Beziehungen

Wann sollte ich mich von einem Alkoholiker trennen?

Wenn du dich nicht mehr sicher fühlst, wenn Versprechen sich wiederholen, ohne dass etwas passiert, oder wenn sich dein Alltag nur noch um sein Trinken dreht. Bei Gewalt oder Bedrohung geht deine Sicherheit vor allem anderen. Weitere Anhaltspunkte findest du in unseren 7 Anzeichen, dass du dich trennen solltest.

Soll ich einem Alkoholiker helfen oder ihn fallen lassen?

Zwischen Retten und Fallenlassen gibt es einen dritten Weg: Grenzen halten. Du kannst ihm zeigen, wo es Hilfe gibt, die Arbeit macht er selbst. Bei akuter Sucht ist eine professionelle Suchtberatung die richtige Adresse, übrigens auch für dich als Angehörige.

Wie verändert sich das Wesen eines Alkoholikers?

Viele Partnerinnen beschreiben einen Wechsel zwischen liebevoll und unberechenbar, zwischen Reue und Rechtfertigung. Je stärker der Alkohol als Ventil dient, desto schwerer erreichst du den Menschen dahinter. Eine fachliche Einschätzung gehört in die Hände einer Suchtberatung oder eines Arztes.

Kann eine Beziehung nach einer Sucht-Trennung wieder funktionieren?

Ja, wenn er die Arbeit für sich macht, deine Grenzen respektiert und sich sein Verhalten über Monate verändert. Dazu gehört, dass ihr langsam neu anfangt, statt einfach weiterzumachen. Ein Versprechen allein reicht dafür nicht.

Fazit: Achte auf Taten, nicht auf Worte

Das Verhalten von Alkoholikern in Beziehungen folgt oft demselben Kreislauf: Eskalation, Reue, großes Versprechen. „Ich tu alles für dich“ fühlt sich in dem Moment echt an, beweist aber nichts. Was zählt, sind Taten über eine lange Zeit, respektierte Grenzen und eine Arbeit, die er für sich macht. Du bist nicht dafür zuständig, ihn zu heilen.

Die ganze Folge mit Jens und Frederik siehst du im Video oben.

Merkst du, dass du immer wieder an Männer gerätst, deren Versprechen größer sind als ihre Taten? Dann schauen wir uns das gemeinsam an. Buch dir ein kostenloses Erstgespräch unter doktorhermes.de/erstgespraech. Du kannst dabei nur gewinnen: Im schlimmsten Fall weißt du danach klarer, wo du stehst, im besten Fall hörst du auf, auf Worte zu warten.

Du hast selbst eine Frage fürs anonyme Telefon? Reich sie ein unter doktorhermes.de/anonym. Wir sagen dir ehrlich, wie wir es sehen.

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Endlich wirkliche Veränderung.

Dr. Jens Hermes
Über den Autor
Dr. Jens Hermes
Er begleitet seit 2011 Menschen dabei, eine Trennung zu verarbeiten und aus emotionaler Abhängigkeit herauszufinden. Über 800 Klientinnen und Klienten hat er in dieser Zeit persönlich betreut, und aus dieser Praxis stammt jedes Muster, das er hier beschreibt. Er ist Gründer des Dr. Hermes Instituts, Host des Dr. Hermes Podcasts und erreicht auf Instagram über 100.000 Menschen. Privat ist er verheiratet und Vater.
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Selbstliebe und Transformation im Unterbewusstsein

Über 200 Klienten begleitetLeitet das Support-TeamSeit 2023 im Team

Anja Rausche ist seit 2023 bei Dr. Hermes dabei. Sie hat die Ausbildung zum Beziehungs- und Transformationscoach absolviert und seither über 200 Klienten betreut. Ihre tiefe Empathie schöpft sie aus persönlichen Lebenserfahrungen, die sie selbst durch sehr schwierige Phasen geführt haben.

Gleichzeitig bringt Anja jahrzehntelange Erfahrung auf Weltklasseniveau im Tanzsport mit: Sie war Weltranglistengewinnerin, Finalistin bei Welt- und Europameisterschaften, betreut heute den Nationalkader und gehört zu den Top 5 international am höchsten lizensierten Trainerinnen und Ausbilderinnen.

Diese einzigartige Kombination aus persönlicher Transformation vom tiefsten Tiefpunkt, den jemand haben kann, Coaching-Expertise und internationaler Spitzenkarriere macht sie zu einer Coachin, die Menschen gleichermaßen mitfühlend und professionell begleitet.

Anja hat die Transformation der Klienten im Überblick und leitet das Support Team an. In der Community weiss jeder, dass der Support und die Unterstützung durch Anja der Schlüssel für sehr viele Transformationen ist und war. Sie ist damit unverzichtbar für die Klienten und auch für unsere gesamte Firma.

Anja hat aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung im Einzel- und Gruppencoaching bereits eigene Coaching Techniken selbst entwickelt.

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Frederik Wilmshöfer

Psychologischer Berater · Glaubenssätze, Kommunikation und Selbstliebe

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Frederik und Jens kennen sich seit 1996. Die beiden verbindet eine tiefe Freundschaft und viel Vertrauen.

Frederik ist seit 2023 im Dr. Hermes Team und leitet das Coaching. Seine Fachgebiete sind Glaubenssätze, Kommunikation und Selbstliebe.

2006 hat er seine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie gemacht.

Seit 2013 ist Frederik als Trainer der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) aktiv. Er hat sich im systemischen Arbeiten nach Virginia Satir, motivierender Gesprächsführung und auch interkultureller Kommunikation weitergebildet.

Bei uns in der Community wird Frederik für seine direkten Worte “Ehrlichkeit mit Herz” geschätzt, sowie auch seine guten Fragen und seinen Humor.

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