16. Februar 2026

No-Contact nach Trennung

Ein paar streitet sich

„No Contact“ gilt für viele als die ultimative Lösung nach einer Trennung.

Abstand halten, nicht schreiben, nicht schauen, nicht reagieren – und irgendwann wird alles besser.
Auch wir empfehlen diese Kontaktpause häufig im Coaching von Dr. Jens Hermes.

Aber: No Contact ist kein Wundermittel.
Es kann enorm unterstützen – doch echte Heilung passiert auf einer tieferen Ebene.

In diesem Beitrag erfährst du:

  • wann No Contact sinnvoll ist

  • welche Vorteile es wirklich bringt

  • wo die Grenzen liegen

  • und wie du es richtig umsetzt

Was beinhaltet "No-Contact" genau?

No Contact bedeutet eine klare Kontaktpause nach der Trennung. Konkret heißt das:

  • keine Nachrichten

  • keine Anrufe

  • kein Social-Media-Kontakt

  • kein „Nachfragen über Freunde“

 

Im Idealfall entfolgst du deinem Ex-Partner oder deiner Ex-Partnerin sogar, um Trigger zu vermeiden. Denn jedes Bild, jede Story, jede kleine Information kann Emotionen neu anfachen und dich zurückwerfen.

Wichtig: No Contact ist kein Spiel und keine Strategie, um jemanden zurückzubekommen.
Es ist Selbstschutz.

Warum ist "No-Contact" hilfreich?

1. Weniger Trigger, weniger Schmerz

Trennungsschmerz wird immer wieder durch Erinnerungen aktiviert – ein Lied, ein Foto, eine Nachricht.
No Contact reduziert genau diese emotionalen Auslöser.

Gerade direkt nach der Trennung „Freunde bleiben“ zu wollen, verlängert oft nur den Schmerz – besonders für die Person, die verlassen wurde.

2. Raum für Klarheit und Selbstreflexion

Ohne Kontakt passiert etwas Entscheidendes:
Du kannst dich wieder hören.

Statt automatisch deinem Ex zu schreiben, stellst du dir Fragen wie:
„Muss ich das wirklich teilen?“
„Was brauche ich gerade wirklich?“

So löst du dich Schritt für Schritt aus Gewohnheit – einem der stärksten unsichtbaren Bindungsfaktoren nach einer Beziehung.

3. Schutz vor Rückfällen

Kontakt wirkt wie ein emotionaler Rückfall-Trigger.
Wenn du keinen Zugang hast, wird impulsives Schreiben deutlich unwahrscheinlicher.

Dein Gehirn bekommt Zeit, sich neu zu sortieren – ohne ständig wieder in alte Muster gezogen zu werden.

4. Stärkung von Selbstwert und Selbstrespekt

Stundenlang Social Media checken, Online-Status beobachten oder analysieren, mit wem die Person Zeit verbringt – all das schwächt deinen Selbstwert.

No Contact beendet diesen Kreislauf.
Du lernst wieder, dein Leben unabhängig zu führen.

5. Abstand von toxischen Dynamiken

Erst mit Distanz erkennen viele Menschen, wie ungesund ihre Beziehung wirklich war.

Mit Abstand tauchen plötzlich Erinnerungen auf:
Abwertungen, Anpassung, emotionale Abhängigkeit.

Ohne Kontakt entsteht die Perspektive, die vorher im emotionalen Chaos unmöglich war.

 

Warum "No-Contact" nicht deine Probleme löst

No Contact funktioniert wie eine Creme bei Hautproblemen:
Es lindert – aber es heilt nicht die Ursache.

Die eigentlichen Themen liegen oft tiefer:

  • Bindungsmuster

  • Verlustangst

  • emotionale Abhängigkeit

  • Glaubenssätze über Liebe und Selbstwert

 

Ohne diese innere Arbeit kann der Schmerz bleiben – oder sich in der nächsten Beziehung wiederholen.

Wann "No-Contact" NICHT möglich ist

Es gibt Situationen, in denen vollständiger Kontaktabbruch unrealistisch ist:

  • gemeinsame Kinder

  • Zusammenarbeit im Job

  • gemeinsamer Freundeskreis

  • gemeinsames Wohnen

 

Gerade bei Eltern hilft ein Perspektivwechsel:
Ihr seid nicht mehr Partner, sondern Co-Geschäftsführer eurer Familie – wie zwei Abteilungen, die für dasselbe Ziel arbeiten. Der Fokus liegt dann nicht auf „ich gegen dich“, sondern auf dem gemeinsamen Wohl.

Tipps zur Umsetzung von "No-Contact"

1️⃣ Starte mit deinem Bindungstyp
Zuerst stelle fest, welcher Bindungstyp du bist. So bekommst du ein Gefühl dafür, wie herausfordernd No Contact für dich sein kann:

  • Verlustängstliche Menschen tun sich oft schwerer mit dem Durchhalten

  • Vermeidende fällt es meist leichter

  • Sicher gebundene profitieren häufig am stabilsten

 

2️⃣ Vermeide die häufigsten Fehler
Damit die Kontaktpause wirklich hilft, achte auf diese Punkte:

  • Nutze No Contact nicht als Strategie, um deinen Ex zurückzubekommen

  • Setze die Pause nicht kommentarlos um (sonst wirkt es wie Ghosting)

  • Erwarte keine Heilung nach einem festen Zeitraum – emotionale Prozesse folgen keinem Kalender

 

3️⃣ Lege eine klare Zeitspanne fest
Als Orientierung empfehlen sich meist 6–8 Wochen Abstand.
Danach prüfst du bewusst: Fühlt sich Kontakt stabil an – oder zieht er dich wieder zurück?

 

4️⃣ Setze konkrete, praktische Schritte um
Diese kleinen Maßnahmen schaffen sofort mehr emotionale Distanz:

  • Nummer löschen (aber sicher abspeichern)

  • Chats archivieren

  • Kontakt neutral abspeichern (z. B. mit Nachnamen)

  • Social Media entfolgen

  • Freunde transparent informieren

  • die Pause klar kommunizieren

 

5️⃣ Geh liebevoll mit Rückfällen um
Falls du doch wieder schreibst oder nachschaust, erinnere dich:
Rückfälle sind kein Scheitern, sondern Teil des Prozesses. Entscheidend ist, dass du dich immer wieder neu für dich entscheidest und deinen Fokus auf Selbstfürsorge legst.

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