Die Fragen, die mir gestellt werden, klingen fast immer gleich. Was ist falsch an mir, dass ich immer an solche Leute gerate? Warum bin ich nie genug? Weshalb werde ich wieder betrogen und verlassen?
Jede dieser Fragen hat denselben Unterton: Du bist der Fehler. Und bevor du überhaupt einen Gedanken an eine Antwort verschwendet hast, liegt die Schuld schon bei dir. Verantwortung trägst du an der Situation, das stimmt. Nur ist Verantwortung etwas völlig anderes als Schuld.
Die ehrliche Antwort auf die Frage lautet: nichts. Mit dir stimmt nichts nicht. Trotzdem gibt es etwas, das du verstehen darfst, sonst läuft dasselbe Muster in der nächsten Beziehung exakt genauso weiter.
Fast alle, die mir diese Frage stellen, haben ein verdammt großes Herz. Sie geben viel. Sie halten viel aus. Vergeben tun sie schneller, als gesund wäre.
Dreh die Sache einmal um. Wenn ein Mensch, der so viel gibt, immer noch nicht reicht, an wem liegt das dann? An der Person, die nie genug bekommen kann.
Und die weiß meistens ziemlich genau, wo du angreifbar bist. Du neigst zur Selbstaufopferung, weil du lieber ausgenutzt wirst, statt ein egoistisches Arschloch zu sein. Menschen, die damit spielen, kritisieren dich exakt an dem Punkt, an dem du am dringendsten anders gesehen werden willst.
Was machst du dann? Du gibst mehr.
Auch das wird nie reichen, weil es eben nicht an dir liegt. Verständnisvoll, tolerant, vergebend: Das sind echte Stärken, und du darfst sie behalten. Gleichzeitig sind sie deine Schwachstelle. Diesen zweiten Teil sieht kaum jemand, du selbst am wenigsten.
Warum landet ein Mensch, der so viel gibt, eigentlich nie bei jemandem, der genauso gibt? Beziehungen laufen über Geben und Nehmen. Bist du ein großer Geber, ist es unwahrscheinlich, dass die andere Seite ebenfalls viel gibt. Sonst würde die Rechnung nicht aufgehen.
Der unbequeme Teil kommt jetzt: Du brauchst jemanden, der viel nimmt, damit du überhaupt viel geben kannst. Eine Person, die dir genauso viel zurückgibt, könntest du gerade wahrscheinlich gar nicht annehmen. Wie eine Beziehung auf Augenhöhe konkret aussieht und was sie von deinem bisherigen Modell unterscheidet, habe ich hier aufgeschrieben.
Jemand hat mir kürzlich gesagt: „Ich will nicht wieder so einen Psychopathen anziehen.“ Nur ziehst du eben genau die Menschen an, die ein Projekt sind. Du willst helfen. Vielleicht definierst du dich sogar über das Helfen, und das ist ein innerer Anteil, kein Charakterfehler.
Das Muster zeigt sich früher, als die meisten glauben. Achte in den ersten Wochen einer neuen Verbindung darauf, wer wie oft nachfragt, wer Termine verschiebt und wer sich anpasst. Wenn du nach vier Wochen mehr über seine Kindheit weißt als er über deine, kippt die Waage bereits. Das ist der Moment, in dem du noch etwas ändern kannst, ohne dass es weh tut.
Nichts davon bedeutet, dass mit dir etwas nicht stimmt. Wahrscheinlich bist du der Typ Mensch, mit dem ich selbst gern Zeit verbringe. Ich mag Leute mit großem Herz, Leute, die zuerst „ich liebe dich“ sagen, Leute, die authentisch rausgehen. Genau das braucht es für Verbindung.
Frag heute drei Menschen, die dich gut kennen, was sie an dir schätzen. Ich wette, du bekommst eine Liste mit 47 Punkten, warum du eine gute Freundin, ein guter Freund, eine gute Partnerin bist. Sehen kannst du diese Liste selbst nicht.
Auf dieser Liste steht nicht, was du beruflich erreicht hast. Da findet sich weder dein Kontostand noch dein Status. Stattdessen steht dort, dass du zuhörst, dass du ein großes Ohr hast, dass du da bist, wenn es eng wird.
Eine Klientin hat mir zu Beginn gesagt, ihr Ziel sei, endlich stolz auf das zu sein, was sie erreicht hat, und sich deswegen wertvoll zu fühlen. Meine Antwort darauf: gutes Zwischenziel, falsches Endziel. Das eigentliche Ziel ist, deinen Wert zu sehen, unabhängig davon, was du erreicht hast.
Ob du erfolgreich bist, spielt für diese Frage keine Rolle. Der Mensch in dir zählt. Viele von uns haben als Kinder etwas anderes gelernt: Liebe gab es für Leistung, oder dafür, nicht aufzufallen. Dieser Satz sitzt tief, und wie du solche Glaubenssätze erkennst und wieder ablegst, ist ein eigener Prozess.
Wer hat eigentlich Pech gehabt, wenn jemand deinen Wert nicht erkennt? Ich habe ein Reel von einem Juwelier aus New York gesehen. Der Mann stand auf der Straße und hat echte Goldstücke verschenkt.
Manche Passanten haben zugegriffen und sich riesig gefreut, weil sie in dem Moment gecheckt haben, was sie da in der Hand halten. Andere sind einfach vorbeigelaufen. Wer hat jetzt verloren? Der Juwelier, weil er abgelehnt wurde, oder die Leute, die nicht richtig hingeschaut haben?
Genauso läuft es in deinen Beziehungen. Du bist das Goldstück, und die Person, mit der du zusammen warst, hat nicht hingeschaut. Vielleicht steht sie schlicht auf Silber. Manche Menschen mögen lieber Silber, und das ist völlig in Ordnung.
Es kann auch sein, dass du ein Silberstück bist und irgendwann jemanden triffst, der genau darauf steht. Oder jemanden mit Goldallergie. All das gibt es. Mit deinem Wert hat nichts davon zu tun, und genau hier setzt echte Selbstliebe an: dich unabhängig von der Bewertung anderer zu sehen.
Tausch die Frage aus, und die ganze Situation kippt. Statt „Warum konnte ich ihn nicht halten?“ frag dich: „Warum wollte er vielleicht gar nicht gehalten werden?“ Anstelle von „Was ist falsch an mir?“ frag: „Was war los mit der Person, die diesen Wert nicht gesehen hat?“
Lass deutlich mehr Verantwortung in der anderen Ecke liegen. Deine Freunde sehen die 47 Punkte. Wie kann es dann sein, dass ausgerechnet dieser eine Partner sie nicht gesehen hat? Siehst du: Es hat wirklich nichts mit dir zu tun.
Der zweite Schritt ist unbequemer. Als große Geberin darfst du lernen, auch zu nehmen. Für viele fühlt sich das anfangs wie Langeweile an, oder zu sicher, oder zu bedürftig. Nichts davon trifft zu, es ist einfach stabil.
Genau dort passiert die Veränderung: erst das alte Muster erkennen, danach ein neues lernen, in dem Annehmen möglich ist. Nebenbei löst sich dabei oft auch das, was du bisher für ein anderes Problem gehalten hast. Viele kommen mit dem Thema Verlustangst und stellen fest, dass Verlustangst nur das Symptom war.
Woher kommt das Gefühl, nicht gut genug zu sein?
Meistens aus der Kindheit. Wer Zuwendung für Leistung oder für Unauffälligkeit bekommen hat, koppelt seinen Wert an das, was er tut. Das Gefühl entsteht also nicht in deiner Beziehung, es wird dort nur sichtbar.
Was bedeutet der Glaubenssatz „Ich bin nicht gut genug“?
Er bedeutet, dass du deinen Wert an Bedingungen geknüpft hast. Solange du lieferst, fühlst du dich okay. Fällt die Leistung weg oder wird sie nicht gesehen, bricht das Selbstbild zusammen.
Wie lerne ich, dass ich gut genug bin?
Nicht über Affirmationen vor dem Spiegel. Der Weg führt darüber, dass du dein Muster erkennst, deinen Wert von deinen Taten entkoppelst und übst, Gutes anzunehmen statt nur zu geben. Das fühlt sich am Anfang falsch an, und genau das ist ein gutes Zeichen.
Wie verhalten sich Menschen mit niedrigem Selbstwertgefühl in Beziehungen?
Sie geben zu viel, tolerieren zu lange und stellen ihre eigenen Bedürfnisse hinten an. Kritik nehmen sie sofort persönlich, weil sie ohnehin damit rechnen, nicht zu reichen. Stabile, unaufgeregte Partner empfinden sie oft als langweilig.
Warum gerate ich immer wieder an Narzisstinnen und Narzissten?
Weil dein größtes Geschenk gleichzeitig deine Angriffsfläche ist. Menschen mit narzisstischen Zügen brauchen jemanden, der viel gibt und wenig fordert. Du suchst jemanden, dem du helfen kannst. Das passt leider perfekt zusammen.
Mit dir stimmt nichts nicht. Das Einzige, was wirklich fehlt, ist dass du checkst, wie toll du bist. „Ich bin nicht gut genug“ ist keine Diagnose über dich, sondern eine Frage, die du an der falschen Adresse stellst.
Dein großes Herz bleibt eine Stärke, nur darf es künftig zusammen mit einem klaren Blick auf deinen eigenen Wert kommen. Der Wert hängt nicht an dem, was du leistest, sondern an dem Menschen, der du bist.
Wenn du merkst, dass genau dieses Muster bei dir gerade läuft und du nicht weißt, wo du anfangen sollst: Buch dir ein kostenloses, unverbindliches Kennenlern- und Analysegespräch mit uns. 20 bis 30 Minuten, ohne Verpflichtung.
Du kannst dabei nur gewinnen. Im schlechtesten Fall bist du danach klarer darüber, was dich wirklich festhält. Im besten Fall ist das der Moment, an dem sich die Richtung ändert.
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Anja Rausche ist seit 2023 bei Dr. Hermes dabei. Sie hat die Ausbildung zum Beziehungs- und Transformationscoach absolviert und seither über 200 Klienten betreut. Ihre tiefe Empathie schöpft sie aus persönlichen Lebenserfahrungen, die sie selbst durch sehr schwierige Phasen geführt haben.
Gleichzeitig bringt Anja jahrzehntelange Erfahrung auf Weltklasseniveau im Tanzsport mit: Sie war Weltranglistengewinnerin, Finalistin bei Welt- und Europameisterschaften, betreut heute den Nationalkader und gehört zu den Top 5 international am höchsten lizensierten Trainerinnen und Ausbilderinnen.
Diese einzigartige Kombination aus persönlicher Transformation vom tiefsten Tiefpunkt, den jemand haben kann, Coaching-Expertise und internationaler Spitzenkarriere macht sie zu einer Coachin, die Menschen gleichermaßen mitfühlend und professionell begleitet.
Anja hat die Transformation der Klienten im Überblick und leitet das Support Team an. In der Community weiss jeder, dass der Support und die Unterstützung durch Anja der Schlüssel für sehr viele Transformationen ist und war.
Sie ist damit unverzichtbar für die Klienten und auch für unsere gesamte Firma.
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Anja hat aufgrund ihrer langjährigen Erfahrung im Einzel- und Gruppencoaching bereits eigene Coaching Techniken selbst entwickelt.
Frederik und Jens kennen sich seit 1996. Die beiden verbindet eine tiefe Freundschaft und viel Vertrauen.
Frederik ist seit 2023 im Dr. Hermes Team und leitet das Coaching. Seine Fachgebiete sind Glaubenssätze, Kommunikation und Selbstliebe.
2006 begann seine Ausbildung zum Heilpraktiker für Psychotherapie.
Seit 2013 ist Frederik als Trainer der Gewaltfreien Kommunikation (GfK) aktiv. Er hat sich im systemischen Arbeiten nach Virginia Satir, motivierender Gesprächsführung und auch interkultureller Kommunikation weitergebildet.
Bei uns in der Community wird Frederik für seine direkten Worte “Ehrlichkeit mit Herz” geschätzt, sowie auch seine guten Fragen und seinen Humor.
Jens nennt ihn den Glaubenssatz-Detektiv.
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